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Emmili: Teamwork bei der Jugendfeuerwehr

Autos aufschneiden, Schläuche rollen oder sich im Jugendforum engagieren – Emmilli ist bei der Freiwilligen Feuerwehr für viele Aufgaben zu begeistern. Die 17-Jährige Dortmunderin hat diesen Monat erfolgreich ihre Grundausbildung für die Einsatzabteilung absolviert. Wir haben sie bei ihrem letzten Übungstag begleitet.

Emmili Treistman streckt ihre Hand aus und dreht an einem kleinen grauen Rädchen. Das Fahrzeug brummt und aus dem Rohr, das aus der rechten Seite des Wagens herausragt, dringt schwarzer Rauch. Er verbindet sich mit der kalten Morgenluft und steigt in kleinen Wolken auf. Emmili dreht sich zu ihren Teamkolleg:innen der Jugendfeuerwehr um und beobachtet konzentriert die Gruppe, die sich vor dem blauen Auto versammelt hat.

Mit dem Rädchen hat sie das Stromaggregat des Feuerwehrautos – ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug – angestellt. Einer ihrer Truppenmitglieder hält einen Spreizer in der Hand, mit der die Tür des Autos entfernt werden soll. Emmili steht weiterhin dicht am Feuerwehrwagen. Sie trägt als einzige über ihrer schwarzen Uniform eine rot-weiße Warnweste. Es signalisiert, dass sie in der Übung als Maschinistin im Einsatz ist. Die 17-Jährige muss das Fahrzeug bedienen und per Funk weiterhin Kontakt zu Einsatzkräften halten. 

In Notsituationen helfen

Seit vier Jahren ist Emmili bei der Jugendfeuerwehr in Lütgendortmund. Durch ihren Bruder, der seit 15 Jahren als Ehrenamtlicher bei der Feuerwehr mitmacht, kam es zu der Verbindung zum Löschzug in Lütgendortmund. Sie betont aber, dass ihr Bruder nicht der einzige Grund für ihr Interesse war. „Mir ist es wichtig Menschen in Notsituationen helfen zu können und daher wollte ich zur Feuerwehr.“, erklärt die 17-Jährige. Später möchte sie eine Ausbildung zur Rettungssanitäterin machen oder Medizin studieren, falls es ihr Schnitt zulässt. 

Am kühlen Samstagmorgen begann für die Teilnehmenden der letzte Tag der Grundausbildung. Bei der Trumpmannausbildung lernen sie in vier Modulen die wesentlichen Abläufe der Feuerwehreinsätze kennen. Seit Anfang Februar treffen sich die Ehrenamtlichen und bereiten sich auf die Modulprüfungen vor. Sie befinden sich zurzeit im letzten Modul, das sich mit der technischen Hilfe beschäftigt. Darin lernen sie unter anderem Autos zu unterbauen und zu sichern oder sie komplett zu zerschneiden, wenn eine verletzte Person darin festsitzt. 

Grundausbildung in neuer Uniform

Jugendliche über 16 Jahre, die bei der Jugendfeuerwehr sind, dürfen die Grundausbildung absolvieren und üblicherweise ab 18 bei Einsätzen mitfahren. Damit es in einer Notsituation nicht zu Verwechslungen kommt, tragen die Feuerwehrkräfte eine Nummer auf ihren Helmen, die einem Löschzug in Dortmund zugeordnet ist. Ist diese Nummer orange, ist die Person noch nicht volljährig und sollte nicht bei Einsätzen mitfahren. Das Orange der Nummer ähnelt der Farbe der Uniformen, die die Jugendlichen bei der Jugendfeuerwehr tragen. Erst seit Beginn der Grundausbildung darf Emmili ihre Erwachsenenuniform nutzen.

Emmili in ihrer Jugendfeuerwehruniform. (Foto: Karsten Wickern)

Die 17-Jährige ist mit Schule, sozialem Leben und ihrer ehrenamtlichen Arbeit bei der Freiwilligen Feuerwehr gut ausgelastet. Dreimal in der Woche, davon samstags ab acht Uhr, lernen die Jugendlichen während der Grundausbildung in Praxis- und Theoriestunden, die wesentlichen Abläufe der Arbeit als Einsatzkraft. 

Bessere Uniform? Das Jugendforum macht´s möglich

„Früher fand ich es immer richtig besonders mit dabei zu sein bei der Feuerwehr. Jetzt ist es mehr zu meinem Alltag geworden. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, wie es ohne wäre.“, erinnert sie sich. Emmili ist außerdem seit zwei Jahren als Sprecherin in Lütgendortmund aktiv und vertritt die Interessen ihres Löschzugs.

„Wir setzen uns mit allen Sprecher:innen der 18 Jugendfeuerwehren zusammen und besprechen was wir verändern wollen. Ganz oft geht es um unsere Uniform.“ Vor einiger Zeit kritisierten die Jugendlichen den Schnitt der orangenen Jacke, die sie in der Jugendfeuerwehr tragen müssen – nun gibt es ein neues Modell mit verändertem Schnitt. Das Jugendforum, in dem sich die Sprecher:innen treffen, ist für Emmili ein wichtiger Bestandteil ihres Engagements. „Mir ist es wichtig für die anderen Jugendlichen da zu sein und ihre Wünsche weiterzugeben.“, erzählt sie. 

Auch Andreas Voß, der als stellvertretender Stadtjugendfeuerwehrwart tätig ist, schätzt die Arbeit der Jugendlichen im Jugendforum. „Das sind meistens die engagiertesten Leute bei der Jugendfeuerwehr. Bei denen weiß man, dass sie noch lange weitermachen werden bei uns.“ Genauso wie Emmili, sieht auch er einen bedeutenden Teil der Arbeit der  Jugendfeuerwehr in der klassischen Jugendarbeit. „Wir bieten normalerweise Ausflüge an oder übernachten auf der Wache, das hat den Kindern und Jugendlichen immer sehr viel Spaß gemacht.“ Viele Angebote mussten aufgrund von der Corona-Pandemie wegfallen oder auf Online-Meetings verschoben werden. „Wir versuchen natürlich weiterhin unserer Arbeit mit den Ehrenamtlichen nachzugehen. Toll ist, dass wir wenigstens die Grundausbildung in Präsenz stattfinden lassen können. Das freut uns alle sehr.“

Im Jugendbereich geht es um so viel mehr als nur die klassische Feuerwehrarbeit.

Emmili Treistman

Mittlerweile haben sich alle Jugendlichen um das Fahrzeug, das sie zerschneiden sollen, versammelt. Auch Emmili hat ihren Platz vor dem Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug verlassen, um nochmals vor der Prüfung zu sehen, wie der Spreizer bedient wird. 

Gespannt schauen sie zu, wie der Spreizer die Autotür löst. Erst ist der Spalt nur wenige Zentimeter breit, dann geht es doch schneller als gedacht und die Tür trennt sich mit einem dumpfen Geräusch. „Wir zerschneiden Autos eher selten in Übungen.“, erzählt Emmili. Trotz der vier Jahre bei der Feuerwehr ist sie erst zum zweiten Mal dabei, als ein Auto zerschnitten wird „Ich finde es sehr cool, bei sowas dabei zu sein. Das ist definitiv das Highlight des Tages für mich.“, gibt sie lachend zu.

Auch wenn die Zahl der engagierten Frauen und Mädchen in den Löschzügen steigt, sind es immer noch mehr Männer, die sich bei der Freiwilligen Feuerwehr in Dortmund engagieren. Bei der heutigen Übung für die Grundausbildung sind fünf von sieben Teilnehmenden männlich. Emmili stört es nicht, doch sie bemerkt oft, dass Leute überrascht reagieren, wenn sie erwähnt, dass sie bei der Feuerwehr mitmacht. „Dabei geht es besonders im Jugendbereich, um so viel mehr als nur die klassische Feuerwehrarbeit.“, betont sie. Das Ehrenamt bedeutet für sie in erster Linie, Menschen zu helfen und in ihrer Tätigkeit bei der Freiwilligen Feuerwehr Gutes zu tun. 

Immer mehr Jugendliche haben Interesse an der Feuerwehr

Mit ihrer Motivation ist Emmili nicht allein, laut Andreas Voß engagieren sich immer mehr Kinder und Jugendliche bei der Freiwilligen Feuerwehr. „In Deusen, wo ich selbst aktiv bin, haben wir sogar eine Warteliste. Über zu wenigen Nachwuchs können wir uns also in Dortmund allgemein nicht beklagen.“ 

Auch für die angehenden Einsatzkräfte läuft es gut – die sieben Lehrgangsteilnehmenden haben ihre Prüfung drei Tage später erfolgreich absolviert und dürfen, abhängig vom Alter, bald bei Einsätzen mithelfen. Für Emmili ist klar, dass sich die Anstrengung der letzten zwei Monate gelohnt hat. „Bisher ist die bestandene Grundausbildung mein Highlight bei der Freiwilligen Feuerwehr.“

Fotocredit: Alle Fotos sind von Karsten Wickern.

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