Unsere Geschichte

Paul: Zwischen Klinikum und Politik

Foto: Karsten Wickern

Ob im Sprecherteam des Kinder- und Jugendrats NRW oder während der ehrenamtlichen Arbeit fürs Jugendrotkreuz in Dortmund – Paul ist vielseitig engagiert. Warum er durch sein FSJ seine Gesundheit mehr wertschätzt und was das Ehrenamt für ihn bedeutet, erfahrt ihr hier.

Paul Hofmann betritt die Intensivstation des Klinikums in Dortmund. Es ist der erste September 2020, der Beginn seines Freiwilligen Sozialen Jahres. Es ist laut auf der Station. Überall summt es, die Beatmungsmaschinen geben erschreckende Geräusche von sich. Um ihn herum befinden sich Patient*innen, die in ihren Krankenhausbetten liegen. Vielen geht es augenscheinlich nicht gut. 

Mittendrin steht Paul, der sein FSJ beginnen will. Doch will er das wirklich? Ihn überkommt Panik, er hatte es sich anders vorgestellt. „Ich hatte auf einmal diesen Fluchtinstinkt, ich wollte so schnell wie möglich raus.“, erinnert er sich an seinen ersten Tag. Doch die Panik verflog: „Im nächsten Moment wusste ich natürlich wieder. Du hast dich hierfür beworben. Also reiß dich mal zusammen und geh nach vorne und melde dich an.“

Die Ausbildung zum Schulsanitäter

Seitdem ist der 19-Jährige Abiturient als FSJler im Dortmunder Klinikum tätig. Seit langem interessiert er sich für Medizin und die Gesundheit anderer Menschen. In seinem Gymnasium war er lange Zeit als Schulsanitäter tätig. Das Jugendrotkreuz in Dortmund bietet neben den traditionellen Jugendgruppen, auch die Sanitäter*innenausbildung in Schulen an. Dabei geht es größtenteils um die Versorgung der Schüler*innen während des Pausendienstes. In 26 Schulen können Kinder und Jugendliche ab der sechsten Klasse teilnehmen.

„Ich würde es immer wieder machen, denn ich habe sehr viel an medizinischem Grundwissen mitgenommen.“

Paul über seinen Sanitätsdienst an der Schule

So hat auch Paul, der gebürtig aus Lütgendortmund kommt, ehrenamtlich im Bert-Brecht-Gymnasium in Huckarde seinen Sanitätsdienst geleistet. „Ich würde es immer wieder machen, denn ich habe sehr viel an medizinischem Grundwissen mitgenommen.“, fasst er seine Ausbildung zusammen. Neben dem Ehrenamt in der Schule ist Paul auch für weitere Aktionen des Jugendrotkreuzes unterwegs.

Medizinstudium oder doch lieber Fossilien ausgraben?

Foto: Karsten Wickern

„Wir haben letztes Jahr eine Osteraktion gestartet, für die wir Karten an Ältere in Altersheimen verteilt haben.“, erzählt Jörg Aderholz. Er ist Kreisleiter des Jugendrotkreuz in Dortmund und hat öfters mit Paul zusammen an Aktionen gearbeitet. „Paul ist sehr hilfsbereit und bringt sich gut mit seinen Ideen ein.“ , erzählt der Kreisleiter. Besonders wichtig sei, dass Paul sich auch mal kritisch äußert und seine Meinung sage, wenn er Verbesserungsvorschläge habe.

Paul ist vielseitig interessiert und beschreibt sich selbst als wissbegierigen Menschen „Wenn ich könnte, würde ich alles studieren.“, erzählt er lachend. Während andere mit fünf Feuerwehrmann werden wollten, erklärte Paul Erwachsenen, warum er unbedingt Paläontologe werden wolle und Fossilien ausgraben so spannend sei. Auch wenn ihn diese Themen auch heute noch interessieren, plant er nach dem FSJ Medizin zu studieren.

„Ich habe nicht damit gerechnet, wie belastend die Arbeit auf der Intensivstation ist.“

Paul über sein FSJ

Dabei mache er das FSJ nicht nur, um bessere Chancen auf ein Medizinstudium zu haben, sondern auch um den Arbeitsalltag kennenzulernen. „Ich persönlich halte nichts davon so Praxisfrei in ein Studium einzusteigen.“, erklärt Paul. Außerdem sei ihm wichtig etwas Gemeinnütziges zu leisten. Was nach dem Medizinstudium folgt? Das weiß er noch nicht. Doch eins ist klar, Paul möchte in die Forschung. „Es gibt noch so viele Geheimnisse, die gelüftet werden können. Da möchte ich dran arbeiten.“, plant er.

Die eigene Gesundheit ist am wichtigsten

Das FSJ im Klinikum ist über das Deutsche Rote Kreuz organisiert. Von Montag bis Freitag arbeitet Paul die meiste Zeit auf der chirurgischen Intensivstation. Auch wenn er meistens für Lagerarbeiten eingesetzt wird, hat er in der Zeit viel gelernt. „Ich habe nicht damit gerechnet, wie belastend die Arbeit auf der Intensivstation ist.“ Seine zentrale Erkenntnis: Man darf seine eigene Gesundheit nicht auf die leichte Schulter nehmen. Diese habe er schon am ersten Tag verinnerlicht. „Ich bin am selben Tag auf die Straße gegangen und hab die Menschen durch die Gegend laufen sehen und dachte: Wisst ihr eigentlich, wie gut es uns geht?“  Seitdem hat sich Paul vorgenommen mehr auf seine Gesundheit zu achten.

Foto: Karsten Wickern

Er arbeitet meist mit Darius Wojdyla zusammen, der im Jahr zuvor sein FSJ im Klinikum abgeschlossen hat. Auch Darius hat viel gelernt in seiner Zeit als FSJler und findet, dass sich Paul sehr gut schlägt: „Er ist immer freundlich und hilfsbereit, auch wenn wir manchmal sehr viel Stress haben.“ Paul bestätigt, dass es im Klinikum mal hektisch werden kann. So kommt es dann an manchen Stellen zu Missverständnissen und Problemen. „Da muss man in manchen Situationen auch vernünftig bleiben und beachten, dass alle im Stress sind und vieles nicht so gemeint ist.“, weiß Paul nun.

Es ist nicht nur das Fachwissen, dass Paul für sein Studium aus dem FSJ mitnimmt: „Mir ist es wichtig, auch mal die Hilfsarbeiten gemacht zu haben, denn als Arzt sollte man nicht auf andere herabschauen, sondern auf Augenhöhe zusammenarbeiten.“ Gerade wird er bei der Augen OP eingesetzt. Auch wenn ihm die Arbeit auf der Intensivstation hat, wie wichtig die eigene Gesundheit ist, ist es für ihn eine willkommene Abwechslung.

Über die Stadtgrenze hinaus politisch aktiv

Neben dem Ehrenamt beim Jugendrotkreuz, ist Paul auch politisch aktiv. Alles begann mit dem Jugendforum in Huckarde. Bei den Treffen reden Interessierte zweimal im Jahr über ein festgelegtes Thema, wie Rassismus oder Kommunalpolitik. „Ich war sehr begeistert von dem Jugendforum und war dann auch bald nicht nur in Huckarde, sondern auch beim Forum der Stadt Dortmund dabei.“, erzählt Paul.

Bei dem Jugendforum auf Stadtebene werden auch Sprecher*innen gewählt, die automatisch Delegierte für den Kinder- und Jugendrat NRW sind. Paul ließ sich 2019 aufstellen und war somit auf Landesebene politisch unterwegs. Der Rat sieht sich als offizielle Landesvertretung aller Kinder- und Jugendgremien im Bundesland an. Hier können sich Interessierte über relevante Themen auf landespolitischer Ebene auszutauschen und gemeinsame Positionen entwickeln.

Manche der Forderungen, die die Delegierten an die Politik in NRW tragen, werden umgesetzt. So gab es im Sommer 2020 ein NRW-Ticket für Jugendliche, das ihnen für einen Euro ermöglichte, durch das Bundesland zu reisen. „Wir sind eine starke Gemeinschaft und es ist toll, wenn wir als Kollektiv solche Forderungen durchbekommen.“, erzählt Paul stolz.

Seit Januar ist er sogar Teil des Sprecher*innenteams des Kinder- und Jugendrats in NRW. Das fünfköpfige Team vertritt dann die politischen Forderungen nach außen. Anas Al-Quraan ist Sprecher und kann sich noch gut an Pauls Wahlkampfrede erinnern. „Mich hat besonders beeindruckt, dass Paul von Anfang an gesagt hat, dass egal wie viel Stress er hat, er sich immer Zeit nehmen wird für seine Tätigkeiten, das hat für ihn Priorität.“ Die Disziplin habe Anas beeindruckt.

Besonders in Dortmund ist das Ehrenamt so vielschichtig und bunt. Da kann jeder helfen und sich engagieren.

Paul

Es wird klar, dass die ehrenamtliche Arbeit als Sprecher mehr als nur ein Hobby für Paul ist: „Natürlich interessiert mich meine Arbeit auch, aber im Fokus steht, dass ich die Meinungen der Kinder und Jugendlichen vertreten und ihre Stimme auch gehört wird und das ist für mich eine Herzensangelegenheit.“

Sowohl sein politischer Aktivismus als auch seine Arbeit beim Jugendrotkreuz und im Klinikum zeigen, dass Paul das Ehrenamt sehr wichtig ist. „Mit meiner ehrenamtlichen Arbeit tu ich etwas Gutes, ohne im Gegenzug etwas zu erwarten und das ist für mich der Kern des Ehrenamts.“

Er hofft, dass viele Menschen, die ehrenamtlich arbeiten, den verdienten Respekt und die Anerkennung erhalten. „Besonders in Dortmund ist das Ehrenamt so vielschichtig und bunt. Da kann jeder helfen und sich engagieren.“, meint Paul und hofft, dass die Verbände ihre Präsenz weiterhin ausbauen, damit sich noch mehr Bürger*innen engagieren. Paul selbst plant auch dieses Osterfest bei der Kartenaktion mitzumachen und auch für das Corona-Testzentrum in Aplerbeck habe man ihn angefragt. Im Alltag kann das schnell mal viel werden doch Paul meint: „Ehrenamt funktioniert immer und überall.“

Lust auf Ehrenamt?

Jugendortkreuz in Dortmund

Das Jugendforum in Dortmund

Kinder- und Jugendrat NRW

Fotos auf der Seite: Karsten Wickern

0 Kommentare zu “Paul: Zwischen Klinikum und Politik

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.