Unsere Geschichte

Leonie und Yannic: Zusammen anpacken bei der THW-Jugend

Stiche und Bunde lernen, Bergungen üben oder Holztische bauen – die Jugendlichen beim THW packen an. Leonie und Yannic engagieren sich seit Jahren im Dortmunder Ortsverband. Was für sie die ehrenamtliche Arbeit bei der THW-Jugend ausmacht und wie die Flutkatastrophe ein neues Licht auf das THW wirft, erfahrt ihr hier.

„Du musst immer vom Verbraucher aus aufbauen“, ruft Leonie entsetzt und schaut Yannic an. Gerade wollte er anfangen, den Stromerzeuger mit dem Flutlichtstrahler zu verbinden. Die Flutstrahler, die meistens auf einem Teleskop-Dreibeinstativ stehen, nutzen die Einsatzkräfte, um von oben großflächig die Einsatzstelle auszuleuchten.

Zu fünft haben sie an einem regnerischen Sonntagmorgen den Strahler aufgestellt und befestigt. Yannic, der vor dem Stromerzeuger kniet, schaut zu Leonie zurück, die beiden diskutieren kurz, bis er schließlich mit dem Kabel zum Flutlichtstrahler läuft. Heute ist das erste Treffen nach den Ferien. Yannic und Leonie verbringen den Tag mit drei neuen Jungs, die zum ersten Mal bei einem Treffen dabei sind. Die gelb-leuchtenden Helme, die sie alle tragen, leuchten im Regen, während sie auf Leonies Anweisung hin zurück zum Strahler laufen.

Seitdem sie 10 Jahre alt sind, sind Leonie Bartel und Yannic Lach Teil der Jugendgruppe des THW in Dortmund. Sticheleien zwischen den beiden Jugendlichen gibt es zwar viele, doch sie betonen, dass ihnen der Zusammenhalt in der Gruppe besonders wichtig sei.

Foto: Karsten Wickern.

Soziale Kompetenzen und technische Fähigkeiten

Um die 30 Jugendliche im Alter von 10 bis 17 Jahren engagieren sich bei der THW-Jugend Dortmund. Neben technischen Fertigkeiten, wie Holzbearbeitung, Bergungsübungen oder dem Erlernen von Stichen und Bunden, gehe es beim THW auch um soziale Kompetenzen, betont Ortsjugendbeauftragter Fabian Karstens. „Man wird hier zum Teamplayer ausgebildet. Einzelspieler kommen hier nicht weit, denn viele Geräte, wie zum Beispiel den Stromerzeuger da drüben, kriegt man nicht allein gehoben.“

Zwei Mal im Monat treffen sich die Jugendlichen für sieben Stunden und trainieren verschiedene Einsatzsituationen. Wirklich anpacken dürfen sie jedoch erst mit 18 Jahren, nachdem sie die Grundausbildung bestanden haben.

Bis dahin können die Jugendlichen ihre technischen Kenntnisse erweitern und sich für Leistungsabzeichen vorbereiten. Die verschiedenen Abzeichen können die Jugendlichen abhängig vom Alter erwerben. Den Teilnehmenden gefalle es in unserem Ortsverband sehr gut, betont der 24-Jährige.

Enormes Interesse an der THW-Jugend

„Wir haben kein Problem mit Nachwuchs beim THW. Von den vier Junghelfer*innen, die jetzt 18 geworden sind, machen drei die Grundausbildung und die Vierte überlegt es sich auch noch.“ Trotz Stress in der Schule freue es Fabian Karstens sehr, wenn sich die Ehrenamtlichen dafür entscheiden, die Ausbildung zu absolvieren.

Auch das Interesse an den Jugenddiensten sei enorm. „Besonders durch die Flutkatastrophe ist das THW noch einmal stärker ins Bewusstsein der Menschen getreten, da man auch im Fernsehen öfter die blauen Fahrzeuge und die Helfer*innen gesehen hat.“ Unabhängig von den Ereignissen der letzten Monate sei aber auch schon vorher eine Warteliste für die Dienste zustande gekommen. „Ich selbst fand es früher auch total cool bei der THW-Jugend, wenn sie mit den riesigen blauen Fahrzeugen rausfahren. Das ist auch immer noch so“, erzählt der 24-Jährige.

Auch der 15-jährige Yannic freut sich über die Treffen bei der THW-Jugend. Er selbst ist durch einen Freund, der in einem anderen Ortsverband mithilft, auf die Idee gekommen sich im Dortmunder Ortsverband anzumelden. Ihm ist besonders die Gemeinschaft in der Jugend wichtig. „Man lernt viel und ist dabei noch mit coolen Leuten zusammen“, erzählt er.

Foto: Karsten Wickern.

Ihn störe es, dass viele Jugendliche nicht wissen, was sie mit sich anfangen sollen. „Die haben gar kein Interesse an sowas und sitzen nur zu Hause rum.“ Auch wenn die Jugendlichen die Einsatzkräfte bei Aktionstagen unterstützen können, sei er immer gern dabei und unterstützt den Ortsverband. „Ich lerne hier sehr viel von den Älteren beim THW und freue mich, wenn ich den Jüngeren auch etwas beibringen kann.“

Ich habe erst bei der THW-Jugend gelernt richtig mit Menschen umzugehen und zusammenzuarbeiten.“

Leonie Bartel

Während er vom THW erzählt, setzt sich Leonie dazu. Die 18-Jährige engagiert sich seit acht Jahren im Ortsverband. Auf die Frage, wie die beiden in der Gruppe zusammenarbeiten, fangen die beiden an zu lachen. „Leonie ist nett, aber auch besserwisserisch“, meint Yannic und Leonie schaut gespielt empört zu ihm rüber. Man merkt, dass die Dynamik in der Gruppe sehr gut ist. Leonie, die ab September mit der Grundausbildung beginnt, hat besonders viel durch die Arbeit im Team mitgenommen. „Ich habe erst bei der THW-Jugend gelernt richtig mit Menschen umzugehen und zusammenzuarbeiten.“

Yannic nickt zustimmend. Bei Bergungsübungen sei Leonie immer für die psychologische Betreuung der verletzten Person zuständig. Leonie lacht über den Einschub. „Ich kann halt einfach gut reden. Manchmal übernehme ich aber auch andere Aufgaben, so ist das jetzt nicht.“

Foto: Karsten Wickern.

Teamwork bei der THW-Jugend

Über allgemeinen Nachwuchs kann sich der Ortsverband in Dortmund nicht beschweren. Jedoch sind die Jungen in den Jugendgruppen klar in der Überzahl. Leonie und ihre Zwillingsschwester, die sich auch seit Jahren beim THW engagiert, sind mit ein paar Ausnahmen, ausschließlich von Jungs umgeben. Ob sie das störe? „Nö.“ antwortet Leonie selbstbewusst. „Die Kleinen sind am Anfang immer sehr lieb. Klar wird es anstrengend, wenn die Jungs pubertär werden, aber das geht auch noch klar.“

Eines ihrer Highlights seien die Zeltlager, die die THW-Jugend veranstaltet, erzählt sie. Die Jugendlichen sind gern zusammen unterwegs. Die Gemeinschaft sei sehr wichtig. „Bei anderen Gruppen merkt man, dass es mehr ums Ego geht. Das finde ich sehr anstrengend“, erzählt Yannic. Bei der THW-Jugend sei es viel entspannter, da alle wissen, dass sie nur im Team weiterkommen.

Auch den Flutlichtstrahler haben sie als Gruppe nach der ersten Verwirrung anbekommen. Er leuchtet eine große Pfütze im Schlamm aus, die durch den Regen immer größer zu werden scheint. Trotz der Kälte und Nässe haben die Jugendlichen in ihren blauen Uniformen Spaß. Alle probieren aus, wie man der Stromerzeuger anstellt und Yannic lacht darüber, als Leonie den Knopf beim ersten Mal nicht fest genug drückt. Sie wird bald nicht mehr an den Treffen teilnehmen, da sie die Grundausbildung absolviert aber bis dahin haben sie in der Gruppe noch viel Spaß.

Mehr Info zu der THW-Jugend findet ihr hier.

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